Lanzarote: “NEIN zum Öl, JA zu erneuerbaren Energien”

“No a las Petroleras, Sí a las Renovables”

“NEIN zum Öl, JA zu erneuerbaren Energien”

Ganz Lanzarote empört sich derzeit gegen den Ölkonzern Repsol und die neue spanische Regierung. Denn die hat dem Mineralölunternehmen gegen den Willen der gesamten Region diese Woche grünes Licht für Probebohrungen unweit der Kanarischen Inseln gegeben. Unter dem Motto “NEIN zum Öl, JA zu erneuerbaren Energien” (“No a las Petroleras, Sí a las Renovables”) hat daraufhin die Inselregierung Lanzarotes gemeinsam mit allen 7 Ayuntamientos (Gemeinden), den Parteien, politischen und privaten Organisationen, Gewerkschaften und Geschäftsleuten zu einer Demonstration am nächsten Samstag (24.03. /19.00) aufgerufen. Im Zentrum der Kritik steht Spaniens neuer Industrieminister José Manuel Soria von der PP, der, obschon selbst Canario, nach Meinung vieler Inselbewohner die Zukunft der östlichen Kanaren gefährde.

Wie immer bei industriepolitischen Entscheidungen solcher Reichweite sind die Gräben tief. Tatsächlich genehmigt wurden Probebohrungen in einer Tiefe von rund drei Kilometern und in einer Entfernung von 60 Kilometern vor der Küste der kanarischen Inseln Lanzarote und Fuerteventura. Natürlich assistiert der Ölkonzern Repsol der Regierung argumentativ, deutet gar den „größten Fund von Erdöl in der spanischen Geschichte“ an. Natürlich unterstreicht der Minister für Industrie, Energie und Tourismus, die Chancen des Projekts. Nun jedoch probt quasi eine ganze Region geschlossen den Aufstand. Wem die Zukunft der Insel am Herzen liegt, kann nächsten Samstag mit einem der von der Inselregierung (sic!) organisierten Fahrdienst kostenlos zur Demo in die Hauptstadt fahren.

Lange Zeit wären spanische Regierungen auch mit Entscheidungen solcher Tragweite durchgekommen. Bis zum letzten Korruptionsskandal wäre auch auf die, vornehm formuliert, inseltypisch fragmentierte Interessenlandschaft – und das verbreitete Desinteresse an ökologischen Themen – Verlass gewesen. Doch die Probebohrungen gefährden die vitalen Interessen aller Insulaner – und die alte Politikerkaste ist abgelöst oder sitzt gar im Knast ein. Nun bangen Einheimische und Residenten schlicht ums Wasser!

Es geht um das Trinkwasser
Natürlich fürchtet man auch auch um die Qualität der Strände und die Einkünfte aus dem Tourismus. Aber was man sich in Madrid oder in Nordhessen (am Wohnsitz des Verfassers) kaum vorstellen kann, ist auf Lanzarote längst Realität: Trinkbares Wasser ist knapp. Das Wasserversorgungssystem ist marode, die Versorung aus öffentlichen Leitung ist nicht mehr allerorten durchgend gewährleistet.
Da es auf Lanzarote mehr oder weniger keine natürlichen Trinkwasserquellen mehr gibt, bezieht die Insel beinahe 100% seines Trinkwassers durch Entsalzung aus dem Meer. Unvorstellbar wären die Folgen einer Ölkatastrophe für das Leben auf der Insel. Verständlich daher die Ängste, real die Bedrohung, nachvollziebar der Widerstand. „Sollten wir diesen Kampf verlieren, verlieren wir Lanzarote und Fuerteventura an Repsol und ein paar korrupte Politiker“, formuliert es drastisch ein in deutsch verfasster Demonstrationsaufruf.

zwischenrufer / 18.03.2012

One thought on “Lanzarote: “NEIN zum Öl, JA zu erneuerbaren Energien”
  1. Als empirisch-philosophischer Laie, glaube ich dennoch, dass diese fachlich gut dargestellte Harmonie, zwischen techn. Fortschritt und den menschl. Ängsten in einer vertrauensvollen Art, gut die Visionen der wiss. Forscher darstellt! Machen Sie weiter so, dass stärkt die Unschlüssigen und verführt ohne es zu wissen, zu lebenslangem Lernen. H.Dobmeier /TechAng+Mstr.Infotech./Fak.11-IVA/Lmu-Mue

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