Stromrechnung: Die Hälfte für Steuern, Abgaben und Umlagen

Die Strompreis in Deutschland steigen unaufhörlich.Bild: Thorben Wengert / pixelio.de

Strom ist in Deutschland zum Jahreswechsel erneut – mittelwertig um 12 Prozent – teurer geworden. Mehr als 35 Millionen Privathaushalte sind betroffen. Dass Strom in Deutschland noch teuerer wird, kann beim besten Willen niemand wirklich wollen. Zugleich ist eine erneute Kehrtwende in Sachen Energiewende weder sinnvoll noch mehrheitsfähig. Glück hat, wer bereits eine der rund 1,3 Millionen Photovoltaik-Anlagen installiert hat: Alleine 2013 werden dafür rund zehn Milliarden Euro an Vergütungen für Solarstrom verteilt.

Selten hätte die Politik so viel Gestaltungskompetenz, wie eben beim Strompreis. Denn bei genauerem Hinsehen werden uns mit jeder Stromrechnung fast 50% für Steuern, Abgaben und Umlagen belastet, auf deren Höhe die Politik durchaus Einfluß hat. Als Wahlbürger erwarten wir gerade in einem Wahljahr klare Antworten und Konzepte.

Grundrecht auf „Licht im Wohnzimmer“?
Wirtschaftsminister Philip Rösler (FDP) forderte von Umweltminister Peter Altmaier (CDU) deshalb gerade zügige Verhandlungen zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, um weitere Steigerungen des Strompreises zu verhindern. Zeitgleich kündigte Grünen-Chef Cem Özdemir an, man werde mit einer rot-grünen Bundesregierung ab dem Herbst die von der aktuellen Bundesregierung verzögerte Energiewende endlich umsetzen. Die sächsische Landesregierung will Ende Januar einen Gesetzesentwurf zur Reform des EEG in den Bundesrat einbringen. EU-Energiekommissar Günther Öttinger (CDU), der wiederholte vor steigenden Strompreisen in Deutschland gewarnt hatte, proklamierte zum Jahreswechsel in der Welt am Sonntag gar ein Grundrecht auf „Licht im Wohnzimmer“ und schlug vor, die Entwicklung der Sozialleistungen in Deutschland an die Stromkosten zu koppeln.

Merkel und Steinbrück?
Die beiden wichtigsten Kontrahenten dieses Wahljahres, Kanzlerin Angela Merkel und Kandidat Peer Steinbrück, halten sich in dieser zentralen Frage noch merklich zurück. Wäre am Sonntag Bundestagswahl, ich wüßte schon deswegen nicht, wen man guten Gewissens wählen könnte.

Ein Grund, mal wieder genau hinzusehen, was uns Stromkonzerne und Politik da allmonatlich (mit) auf die Stromrechnung setzen.
Rundungsfehler und überschlägige Brutto-NettoUmrechnungen seien mir nachgsehen.

Stromrechnung: Nur die Hälfte sind Kosten!
Betrachten wir zunächst den Netto-Strompreis, der einzige wirklich marktabhängige Bestandteil unserer Stromrechnung. Er deckt die Kosten für Energieerzeugung, Transport und Vertrieb und macht rund ein Drittel der Summe auf unserer Stromrechnung aus. Zusammen mit rund 24% Netznutzungs-Entgelten verursacht der Netto-Strompreis 2013 – nach der jüngsten Erhöhung der EEG-Umlage – nur noch rund 50% des Brutto-Strompreises der uns Kunden in Rechnung gestellt wird. Die nackte Wahrheit ist: Fast die Hälfte der Stromkosten privater Haushalte sind tatsächlich Steuern, Abgaben und Umlagen. Doch dazu weiter unten mehr.

Netto-Strompreis: 65% teurer
Der Netto-Strompreis ist ausweislich einer aktuellen Grafik des Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW ) von 1998 -2012 zwar lediglich um rund 10% gestiegen, für die Industrie sei der Strompreis sogar gesunken. Die Grafik lohnt jedoch der genaueren Betrachtung: Denn tatsächlich verfiel der Strompreis nach der Liberalisierung des Strommarktes (1998) in den Folgejahren deutlich. Nimmt man den Strompreis des Jahres 2000 zur Basis, ist auch der Netto-Strompreis für Privathaushalte bis 2012 um 65% gestiegen.

 

Brutto-Strompreis von 200-2013 verdoppelt
Viel interessanter für uns Privatverbraucher ist der Anstieg des Brutto-Strompreises, den Centpreis je Kilowattstunde (kWh), der von 13,94 Cent (2000) auf vermutlich um die 29 Cent (2013) steigt. Die Jahresrechnung eines üblichen Vier-Personen-Haushalts mit 5.000 kWh Jahresverbrauch dürfte sich damit von 697,- EUR (2000) auf über 1400,- EUR (2013) verdoppelt haben.

Steuern, Abgaben und Umlagen
Die nackte Wahrheit ist: Die Hälfte der Stromkosten privater Haushalte sind tatsächlich Steuern und Abgaben. Explodiert erscheinen die Kosten aus dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) bzw. des 2000 abgelösten Stromeinspeisungsgesetz (StrEG): Betrug der EEG-Anteil im Jahr 2000 noch 0,2 Cent (!) je Kilowattstunde, liegt er 2013 bei 5,3 Cent/kWh. Macht für die oben berechnetet Modell-Familie 265,- EUR netto im Jahr.

Doch das EEG ist mit rund 20% knapp vor der Mehrwertsteuer (16%) dann der nur größte Posten unter den gesetzlichen verordneten Strom-Nebenkosten. 2,05 Cent/KWh (8%) fallen als Stromsteuer an, immerhin 1,79 Cent/KWh gehen als Konzessionsabgabe (7%) an die Kommunen. (Übrigens dafür, dass sie den Stromdienstleistern die Stromversorgung der Bürger gestatten.)

Nachtrag vom 21.01.2013: Hier habe ich die prozentualen Anteile (leider) sehr ungenau überschlagen! Ausweislich einer aktuellen Grafik des Frauenhofer ISE, beträgt der Anteil des EEG am Endkunden-Strompreis „nur“ 18,2%. >>> Grafik Strompreis 2013 / Frauenhofer ISE Freiburg: Fakten zur Photovoltaik in Deutschland.

Die folgende Grafik, gefunden bei www.energiedienst.de, ist zwar noch auf dem Stand von 2012, verdeutlich trotzdem sehr schön wie sich der Strompreis auf die unterschiedlichen Preisbestandteile aufteilt.

Beispiel: Haushaltskunde in der Grundversorgung mit einem Durchschnittsverbrauch von 3.500 kWh/a (Ø-Preis brutto: 25,23 Cent/kWh – Stand: März 2012) – Datenquelle: BDEW / VDN

 

 

 

 

 

 

 

 

Energiewende im Wahlkampfjahr
Vermutlich wird die Reform (CDU/FDP) bzw. Durchsetzung (SPD-Grüne) der Energiewende, zu einem zentralen Thema der politischen Debatten 2013. Wir dürfen gespannt sein.

Interessant zum weiterlesen
>>> BDEW-Strompreisanalyse Oktober 2012
>>> Lausitzer Rundschau / Das Dilemma mit dem Solar-Rekord

 zwischenrufer / 09.01.2013

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