Solarthermie günstig in Gebäude integrieren

Solarthermie-Modellsiedlung Stenbråtlia in Norwegen

Solarthermische Anlagen zur Warmwassererzeugung und Heizungsunterstützung haben in Deutschland ein immanentes betriebswirtschaftliches Problem: Zumindest die im Kontext einer Heizungserneuerung als Ergänzung zu Pellets- oder Gasheizungen installierten Anlagen rechnen sich kaum. Ursache sind die hohen Anschaffungs- und Installationskosten der Nachrüstung.

Reihenhaussiedlung Stenbråtlia (Norwegen): 34 Reihenhäuser im Passivhausstandard wurden mit dachintegrierten Kunststoffkollektoren ausgestattet. © Harald Kicker, JKU Linz, Austria

Reihenhaussiedlung Stenbråtlia (Norwegen): 34 Reihenhäuser im Passivhausstandard wurden mit dachintegrierten Kunststoffkollektoren ausgestattet. © Harald Kicker, JKU Linz, Austria

Dass es auch anders geht, zeigt die Modellsiedlung Stenbråtlia im norwegischen Mortensrud.Im Rahmen des europäischen Verbundprojekts »SCOOP« (Solar Collectors Made of Polymers) hat hier ein Konsortium unter Koordination des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE Solarkollektoren aus Kunststoff entwickelt, die Funktionalität, Kostenbewusstsein und Ästhetik miteinander verbinden.

Kollektorfläche ins Dach integriert
Die Solaranlagen in der Siedlung Stenbråtlia nahe Oslo decken 62 Prozent des Gesamtverbrauchs für Heißwasser und Heizung der Passivhäuser. Die Kollektorfläche pro Haus beträgt 14 Quadratmeter. Die Neigung der Dächer wurde für solare Kombianlagen optimiert. Die Kollektoren sind in das Dach integriert und erhalten dadurch eine zusätzliche Wärmedämmung. „Wichtiges Ziel des Forschungsprojektes war es, Kollektoren zu entwickeln, die sich architektonisch optimal in das Gebäude integrieren lassen und einfach und kostengünstig zu installieren sind“, erklärt Dr. Michael Köhl, verantwortlicher Projektleiter am Fraunhofer ISE. „Die Kollektoren sind so ausgelegt, dass sie das gleiche Unternehmen montieren kann, das auch die Dach- und Fassadenelemente installiert.“ Das Wärmeträgermedium Wasser versorgt die Haushalte über einen drucklosen Solarkreis mit Wärme. Es ist kein zusätzlicher Heizungsbauer erforderlich, der den Anschluss der Kollektoren auf dem Dach durchführt. So können Kosten bei der Installation gespart werden. Ersparnisse ergeben sich zusätzlich beim Material: Kunststoff ersetzt beim Absorber die bisher üblichen Metalle Kupfer oder Aluminium, bei der Kollektorabdeckung kommt ebenfalls Kunststoff statt Glas zum Einsatz.

Elektrischer Heizstab für Spitzenlasten
Alle 34 Reihenhäuser sind jeweils mit einem Pufferspeicher ausgestattet, der sich im Heizungsraum im Erdgeschoss oder in einem gut isolierten Anbau befindet. Solar- und Fußbodenheizkreis sind ohne Wärmetauscher hydraulisch direkt an den Speicher angeschlossen. Kann die Solaranlage den Wärmebedarf nicht mehr decken, wird über einen elektrischen Heizstab nachgeheizt. Den erforderlichen Strom liefern in Norwegen Wasserkraftwerke, die rund 98 Prozent der elektrischen Energie stellen.

Fraunhofer ISE / Innovationen unter skandinavischer Sonne
http://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/presseinformationen-2014/innovationen-unter-skandinavischer-sonne

BINE Informationsdienst / Kollektoren günstig in Gebäude integrieren
http://www.bine.info/newsuebersicht/news/kollektoren-guenstig-in-gebaeude-integrieren/

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