Energiewende gewinnt an Fahrt: Neues Marktanreizprogramm (MAP) ab 01.04.2015

"Effiziente Heizsysteme mit Geld vom Staat", Förderbibel des BDH, 03-2015.

„Effiziente Heizsysteme mit Geld vom Staat“, Förderbibel des BDH, 03-2015.

In Sachen Energiewende belässt es die Bundesregierung nicht bei warmen Worten. Mit dem neuen Marktanreizprogramm (MAP), das zum 01.04.2015 in Kraft tritt, werden nicht nur die Förderzuschüsse Photovoltaikanlagen, thermische Solaranlagen,  Wärmepumpen, Biomasse-, Wind- und Wasserkraftanlagen sowie Biogasanlagen teilweise deutlich erhöht. Auch der Kreis der Antragsberechtigten wird ausgeweitet. Das Programm richtet sich nun auch dezidiert an Gewerbetreibende und Unternehmen sowie die Kommunen als Träger öffentlicher Einrichtungen, Kirchen und gemeinnützige Träger. Doch auch private und gewerbliche Hausbesitzer, die auf moderne Heizungen mit erneuerbaren Energien umstellen wollen, erhalten nun deutlich höhere Investitionszuschüsse. Weiterhin wird der Ausbau bestehender Anlagen gefördert, erstmals wird sogar deren nachträgliche Optimierung. Bei der Solarthermie wurde erstmals eine ertragsabhängige Förderung – alternativ zur Innovationsförderung – eingeführt.

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
BMWi – Aktuelle Förderübersicht Stand 01.04.2015

Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH)
Broschüre „Effiziente Heizsysteme mit Geld vom Staat“, Stand 03-2015

Markt- und Technologieführer auf der ISH

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ISH Frankfurt präsentiert internationale Marktführer. Foto: Messe Frankfurt Exhibiton GmbH / Jens Liebchen

Die Weltneuheiten-Schau ISH in Frankfur präsentiert vom vom 10. bis 14. März 2015 alle Markt- und Technologieführer aus den Bereichen ISH Water und ISH Energy an einem Ort vereint.

Innovationen und Produktneuheiten rund um die Themen Wasser und Energie bietet die Weltleitmesse ISH in Frankfurt am Main eine Bühne. Auf rund 260.000 qm präsentieren sich über 2.400 Ausstellern aus über 50 Ländern, die zur weltgrößten Leistungsschau für die Erlebniswelt Bad, Gebäude-, Energie-, Klimatechnik und Erneuerbare Energien ihre Neuheiten vorstellen.

Besonders interessant: Der Bereich ISH Energy mit der Gebäude- und Energietechnik, Erneuerbaren Energien sowie der Klima-, Kälte- und Lüftungstechnik befindet sich in den Hallen 8, 9, 10, 11 und in der Galleria. Hier stehen effiziente Heizungssysteme und erneuerbare Energien sowie Energieeffizienz und Behaglichkeit in der Raumlufttechnik im Vordergrund. Die politischen Veränderungen im Wärmemarkt gehören zu den bestimmenden Themen der Branche. Besucher bekommen das Gesamtspektrum innovativer Gebäudesystemtechnik zu sehen und können sich über nachhaltige Lösungen und zu den verschiedenen Technologietrends informieren.

Zu den weltweit renommierten Herstellern im Bereich effiziente Heizungstechnologien und erneuerbare Energien zählen beispielsweise Ariston, Bosch Thermotechnik, Brötje, Daikin Europe, De Dietrich Thermique, Elco, Fröling, Glen Dimplex, Grundfos, Kermi, KSB, La Nordica, MCZ, Mitsubishi Electric, Nibe, Oranier, Palazzetti, Rettig, Riello, Robert Bosch, Rotex, Reflex Winkelmann, Schiedel, Solarworld, Spartherm, Stiebel Eltron, Vaillant, Viessmann, Weishaupt, Wilo, Wodtke, Wolf und Zehnder.

Heizungserneuerung kann teuer werden

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Dirk Lebon, Diplomingenieur, Sachverständiger für Haustechnik und Gutachter für Photovoltaik.

Dirk Lebon (Foto) bearbeitet als Sachverständiger für Haustechnik,  Gutachter für Photovoltaik und Mitglied der Deutschen Sachverständigen Gesellschaft (DESAG) ein breites Themenfeld  rund um private und gewerbliche Immobilien und deren Bewertung. Im Interview mit „Immobilien-Finanzen-Kredite“ gibt der Diplomingenieur aus Kassel wichtige Tipps für den privaten Immobilienkauf.

Herr Lebon,  worauf sollten vor allem private Immobilienkäufer aus Ihrer Sicht verstärkt achten?

In den prosperierenden Städten treibt die ungebrochen hohe Nachfrage die Immobilienpreise.  Private Käufer suchen daher vielfach am Rande der Ballungsräume, wo Immobilien vergleichsweise günstig zu haben sind. Gerade bei „Schnäppchen“ ist Vorsicht geboten, vielfach ist hier der Sanierungsstau, gerade im Bereich der Haustechnik erheblich, finden sich jahrzehntealte Ölheizungen oder heute völlig unwirtschaftliche elektrische Speicherheizungen. Dabei kann schon eine zeitgemäße Heizungserneuerung für ein Einfamilienhaus leicht  30.000 – 40.000 Euro kosten. Wer das vor dem Hauskauf bedenkt, ist gut beraten – und für eventuelle Kaufverhandlungen gut gerüstet.

Ein Gutachten kann Klarheit schaffen?

Wenn der Gutachter tätig wird, ist es meist schon zum Streit gekommen. Ich empfehle, die Immobilien in der engeren Wahl in sachkundiger Begleitung zu besichtigen. Ältere Immobilien sind oft mehrmals – und nicht selten ohne Fachbetrieb – teilsaniert. Ob die Wunschimmobilie nur ein paar Schönheitsreparaturen braucht, erheblicher Sanierungsstau besteht oder einzig eine Kernsanierung wirtschaftlich vertretbar ist, kann kaum ein privater Käufer objektiv einschätzen.

Immer häufiger werden Immobilien mit Solaranlage angeboten. Was sollten Käufer hier zu bedenken?

Prinzipiell ist zwischen Solarthermie, meist zur Heizungsunterstützung, und Solarstrom, also Photovoltaik zur Stromerzeugung, zu unterscheiden. Solarthermische Anlagen mögen den künftigen Bewohnern Heizkosten einsparen helfen, erhöhen aber den Immobilienwert meist nicht. Bei der Photovoltaik hingegen muss jeder Einzelfall gesondert betrachtet werden. Denn PV-Anlagen zur Stromerzeugung und Einspeisung ins öffentliche Netz, wie sie in den letzten Jahren hundertausendfach öffentlich gefördert auf privaten Immobilien installiert wurden, sind genau genommen Gewerbebetriebe. Photovoltaikanlagen werden vom Erwerber oft inklusive Übertragung der Förderung übernommen. Welchen Wert eine PV-Anlage zum jeweiligen Zeitpunkt darstellt, mit welchen Erträgen in der Zukunft realistisch gerechnet werden kann, kann oft nur ein Gutachten im Detail aufzeigen.

Wir dachten, beim Immobilienkauf gilt die Devise „Lage, Lage, Lage“?

Wer eine Immobilie vor allem als Kapitalanlage oder Instrument der Alterssicherung sieht, für den mag diese Grundregel der Immobilienwirtschaft gelten. Wer hingegen eine Immobilie zur Selbstnutzung kauft, folgt anderen Kriterien und hat individuelle Ansprüche. Er sucht einen Ort des Wohlbefindens für sich und seine Familie, will langgehegte Wünsche realisieren. Zugleich darf die künftige Traumimmobilie die eigene Leistungsfähigkeit auch mittel- und langfristig nicht überfordern. Die meisten Menschen kaufen in ihrem Leben nur einmal eine Immobilie. Gut beraten ist man dabei auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

Kontakdaten
Dirk Lebon, Dipl.Ing., Kassel
Sachverständiger für Haustechnik
Gutachter für Photovoltaik
www.lebon-photovoltaik-gutachter.de

Quelle: Interview vom 05.01.2015 mit
www.immobilien-finanzen-kredite.de

 

IWES: Energiewende vergleichbar der Mondlandung – Geschäftsmodell Energiewende

Roding Roadster auf dem Prüfstand in Groß Dölln

Elektromobile Zukunft: Oberleitungs-LKW von Siemens. Foto: Siemens AG.

Die deutsche Energiewende gleicht einem „Herkulesprojekt“, industriepolitisch viermal größer als die Mondlandung der Amerikaner, so das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES).  Das IWES hat unter dem Titel „Geschäftsmodell Energiewende“ bereits im Januar 2014 eine Studie vorgelegt, vielmehr einen detaillierten und gerechneten „Master-Plan“ für den Weg zur erneuerbaren Vollversorgung bis 2050.

Die Autoren, Fraunhofer-Wissenschaftler allesamt, trauen sich, die Energiewende jenseits aller Kostendiskussionen und Legislaturperioden vom erfolgreichen Ende rückwärts zu denken. Ausgehend von der aktuellen Situation beschreiben sie ein gangbares, finanzierbares Szenario.

Allen Lesern sei der gesamte Text „Geschäftsmodell Energiewende“ und die begleitenden Texte auf Webseite zur Lektüre empfohlen. http://www.herkulesprojekt.de/

Ich selbst erlaube mir, ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit, einige besonders spannende Punkte anzusprechen.

Energiewende möglich – und lukrativ!
Technisch und finanziell sei die Energiewende bis 2050 nicht nur möglich, so die Kernbotschaft der Wissenschaftler, sondern ein „hoch attraktives Geschäft mit enormen Gewinnmöglichkeiten“. Allerdings erfordere das eine Transformation des gesamten Energiesektors, den es sorgfältig zu planen gelte, um Fehl-Investitionen zu vermeiden.

Vollversorgungsszenario 2050
Ausgehend von einem Vollversorgungsszenario 2050 wird detailliert beschrieben, welcher EE-Energiemix zukünftig sinnvoll erscheint und welche Konsequenzen das für die systemtechnischen Infrastrukturen haben wird.­­

1000 TWh Endenergie für Deutschland
Zunächst muss der Energieverschwendung Einhalt geboten werden: Statt der heute ineffizient verbrauchten 4000 TWh Primärenergie sollen in 2050 1000 TWh den gesamtwirtschaftlichen Bedarf zu 100% erneuerbar erzeugt decken.

1.200 Milliarden Euro
Gigantische 1.200 Milliarden Euro, über die nächsten 30 Jahre jährlich 40 Mrd., rund 1% des Bruttoinlandsprodukts, wird die Transformation von der betriebskostenintensiven Technologie (OPEX) in eine kapitalkostenintensive Technologie (CAPEX) kosten – und sich gerade deshalb lohnen!

Langfristige Investition, die sich rechnet
Die Finanzierbarkeit des Gesamtprojekts sei auch unter konservativen Annahmen (d.h. ohne steigende Brennstoffpreise und CO2-Schadenskosten) möglich, betonen die Autoren, die Investition verzinsten sich im Gesamtzeitraum je nach Betrachtung mit 2,3% (inflationsbereinigt), bei deutlich steigenden Preisen für Öl und Gas auf bis zu 6,7%. Renditen also, die gerade für langfristig orientierte institutionelle Investoren wie Versicherungen und Rentenfonds, durchaus interessant seien. Die gute Nachricht für den privaten Energieverbraucher: die Energiepreise müssen dafür nicht explosionsartig steigen, am Ende werden sie vermutlich sogar deutlich niedriger liegen als heute.

Windenergie und Photovoltaik
Die Fraunhofer-Wissenschaftler sind sich sicher: Bei der Transformation des Energiesystems werden Windenergie und Photovoltaik die künftigen Primärenergiequellen darstellen.

EE-Strom statt Öl
Denn erst der konsequente Ausstieg aus dem teuren Öl mache das Gesamtprojekt Energiewende gesamtwirtschaftlich finanzierbar.  Besonders „Wärme- und Mobilitäts-Dienstleistungen“ sollen dafür in den Strombereich verlegt werden.

Netzkonformer EE-Ausbau
Systemtechnisch Grundvoraussetzung für das Gelingen der Energiewende ist, so die Studie,  der netzkonforme EE-Ausbau. Was lapidar klingt, birgt politischen Sprengstoff, schlicht weil der Ausbau derzeit eben alles andere als netzkonform verläuft. Der künftige Zubau an PV-Freiflächenanlagen und Windräder muss dort stattfinden, wo der EE-Strom wirklich gebraucht wird, gemanagt von einem intelligenten Stromnetz (Smart-Grid).

100% Elektromobilität
Das bedeutet 100% Elektromobilität im Privatbereich, aber auch, hier wird der Text visionär, den Ausbau vielbefahrener Autobahnstrecken für Oberleitungs-LKW, deren Prototypen z.B. Siemens 2012 auf dem Electric Vehicle Symposium in Los Angeles (Foto) vorgestellt hat.

Abwrackprämie für Heizungen, 75% Wärmepumpen
Auch was die Zukunft der Heizung angeht,  haben die Autoren eine klare Vorstellung: „Die Wärmepumpe für den Niedertemperatureinsatz hebelt Umgebungswärme durch Einsatz von Strom typischerweise  im Verhältnis 1:3,5.“ Mit einer Abwrackprämie soll ein Anteil von 75% Wärmepumpen im Niedertemperaturbereich (Raumwärme und Warmwasser) erreicht werden.  Power-to-Heat (Tauchsieder-Prizip) für den Hochtemperaturbereich.

Master-Plan oder Planwirtschaft?
Der vorgelegte „Master-Plan“  ist für die Autoren keinesfalls Ausdruck einer Planwirtschaft. Sondern Ultima Ratio, von der Vernunft geboten. Ausgangspunkt für ein gemeinsames nationales (!) Herkulesprojekt, getragen von Wissenschaft, Politik und Bürgern in der Überzeugung gemeinsam sogar Visionäres leisten zu können: die erneuerbare Vollversorgung einer Industrienation.

 zwischenrufer / 27.05.2014

 

Energiebunker Hamburg: Paradigma AquaSystem mit 1.350m² Röhrenkollektoren

Der Wilhelmsburger Flakturm wird nun zum Energiebunker: Der Hochbunker soll als Projekt zur Internationalen Bauausstellung Hamburg 2013 (IBA) zum Öko-Kraftwerk umfunktioniert werden.

Der Wilhelmsburger Flakturm wird zum Energiebunker: Der Hochbunker soll als Projekt zur Internationalen Bauausstellung Hamburg 2013 (IBA) zum Öko-Kraftwerk umfunktioniert werden.

Der ehemalige Flakbunker in Wilhelmsburg ist das Symbol des Klimaschutzkonzeptes Erneuerbares Wilhelmsburg, einem Projekt zur Internationalen Bauausstellung (IBA) Hamburg 2013. Das seit Kriegsende nahezu ungenutzte Monument wird derzeit saniert und zu einem regenerativen Kraftwerk mit Großwärmespeicher ausgebaut. Er versorgt künftig das Reiherstiegviertel mit klimafreundlicher Wärme und speist erneuerbaren Strom in das Hamburger Verteilnetz ein.

Auf dem Energiebunker liefert ein Paradigma AquaSystem mit 1.350m² Röhrenkollektoren gemeinsam mit einem Biomasse-Blockheizkraftwerk Warmwasser und Heizwärme für ein mehr als 1,2 Quadratkilometer (120 Hektar) großes Stadtgebiet.

Bereits am 20.01.2013 berichtete der NDR aus Hamburg
>>> Energiebunker vor Fertigstellung

zwischenrufer / 21.02.2013