Auch Bosch steigt beim Wüstenprojekt Desertec aus

Vehementester Fürsprecher des größten europäischen Ökoprojekts Desertec ist mit EU-Energiekommissar Günther Oettinger ausgerechnet ein ehemaliger Atomkraft-Fan. Der europäische Strommmarkt sei zu Gunsten abgeschriebener Atom- und Wasserkrafwerke verzerrt, unzureichende Konkurrenz verteure den Strom zusätzlich. Foto: www.wikipedia.de

Nachdem Siemens letzte Woche den Komplett-Ausstieg aus der Solartechnik verkündet hat, ist nun mit Bosch Rexrodt ein weiteres deutsches Industrieunternehmen aus dem hochambitionierten Wüstenprojekt Desertec, das Europa dereinst mit Sonnenstrom aus dem Mittelmeerraum versorgen soll,  ausgestiegen. Zwar wollen Schott Solar, Eon und die Münchner Rück laut Handelsblatt dem ergeizigen Wüstenprojekt treu bleiben, doch die Vision, mit billiger Solarenergie aus der Sahara in Europa alsbald gute Geschäfte machen zu können, droht sich zwischen den politischen und konjunkturellen Bedingungen aufzulösen.

EU: Keine Solarkraftwerke in der Westsahara
Zwar baut man im marokkanischen Quarzazate derzeit ein 160 Megawatt-Kraftwerk das bereits 2013 ans Netz gehen und bis 2017 auf 500 MW ausgebaut werden soll. Doch das dann größte thermische Solarkraftwerk der Welt soll der Stromversorgung Marokkos dienen. Weitere Standorte für Solarstromkraftwerke plant Marokko allerdings in der völkerrechtswidrig besetzten Westsahara, was das Europaparlament entschieden ablehnt.

Spaniens konservative Regierung fährt Förderung herunter
Zweites Problem ist die konservative spanische Regierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy, die angesichts der akuten spanischen Wirtschaftskrise eine eigene Energiewende vollzieht. Einen Salto rückwärts allerdings! Rajoy fährt die Förderung erneuerbarer Energiequellen, auch für zukunftsträchtige solarthermische Anlagen wie das Parabolrinnenkraftwerk im spanischen Arenales, gerade gegen Null. Damit droht Spanien, das im Desertec-Konzept ebenfalls als Strom-Erzeugerland vorgesehen ist, zum Stromtransitland abzusteigen.

EU-Energiekommissar Oettinger: Strommarkt verzerrt
Vehementester Fürsprecher des größten europäischen Ökoprojekts ist mit EU-Energiekommissar Günther Oettinger ausgerechnet ein ehemaliger Atomkraft-Fan. Der europäische Strommmarkt sei zu Gunsten abgeschriebener Atom- und Wasserkrafwerke verzerrt, unzureichende Konkurrenz verteure den Strom zusätzlich. Seit Sommer versucht nun gerade Oettinger die Spanier davon zu überzeugen, die Potenziale erneuerbarer Energien stärker zu nutzen, um sich mittel- und langfristig von teuren Energieimporten unabhängig zu machen. Doch kurzfristig würde die spanische Regierung lieber Uralt-Atomkraftwerke am Netz halten.

Keine Rendite in Sicht
Mit Siemens und Bosch sind nun zwei wichtige Industriepartner ausgestiegen, um in wirtschaflich schwierigen Zeiten nicht noch mehr Geld in unwägbaren Projekten zu verbrennen.

zwischenrufer / 15.11.2012