Die Sonne brennt uns ein Loch ins Portemonnaie

Irre! Als ich vor vermutlich 25 Jahren von einem Gemeinderatskollegen zum ersten Mal mit dem Thema  Photovoltaik konfrontiert wurde, waren solarbetriebene Parkuhren noch Utopie.  Und nun ist am vergangenen Pfingstwochenende die geeinte Republik  – wenigstens ein paar Stunden lang und zumindest theoretisch – ganz kurz davor gewesen, erstmals in ihrer Geschichte den gesamten Strombedarf (wohlgemerkt eines Feiertages) mit  Sonnenstrom zu decken.  Auf rund einer Million Bürgerdächern allerorten wurde mit rund 22.000 Megawatt eine Strommenge erzeugt,  für die unter der Regierung Kohl (und seiner Umweltministerin Angela Merkel) seinerzeit  20 Atomkraftwerke nicht ausgereicht hätten.

Sensationell gute Nachrichten, eigentlich
Ich finde das sind sensationelle gute Nachrichten!  Und wundere mich darüber, dass in diesen Tagen nicht allgegenwärtiger Freudentaumel vorherrscht. Selbst linksbewegte Flashmobs hätte ich mir vorstellen können. (Auf meinem Plakat hätte gestanden: „Siehste Helmut, doch keine kleine Minderheit linken akademischen Pöbels!“)

Solarstromförderung trotzdem ein Desaster
Dass nun nicht die ganze Republik in Jubel  ausbricht, hat mindestens zwei Gründe:
Erstens ist die über das Einspeisegesetz „gesteuerte“  Solarstromförderung ohne Frage ein politisches Desaster.  Statt ökologisch sinnvolles Verhalten (selbsterzeugten Strom selbst verbrauchen) angemessen zu belohnen, hat die Politik das Thema jahrelang kommerzialisiert. Die Zeche, sprich die vollmundig versprochene Rendite, zahlen vor allem jene, die weder über ein eigenes Dach noch die notwendigen Barmittel verfügen, ebenfalls eine öffentlich geförderte solare Selbstbereicherungsanlage zu installieren. Auch wenn die Zahlen schwanken, 10 Subventionseuro alleine für die PV-Förderung zahlt bereits heute jeder ob er will oder nicht mit der monatlichen Stromrechnung. Tendenz deutlich steigend.

Der Winter kommt sicher
Zweitens setzt die einseitige PV-Förderung industriepolitisch die falschen Akzente. Denn während im Sommer erhebliche Strommengen photovoltaisch produziert werden können, kommt die „Solarernte“  in deutschen Wintern fast zum Erliegen. Bislang waren für diese sonnenarmen Monate neue, emissionsarme Kohle- und Gaskraftwerke geplant, die sich allerdings wegen des gesetzlichen Einspeisevorrangs von Ökostrom kaum noch wirtschaftlich darstellen lassen.

Restlaufzeit der Regierung noch ungewiss
Erstmals scheinen die Warnungen der Bundesnetzagentur vor kritischen Versorgungsengpässen im kommenden Winter keine lobbygetriebene Propaganda zu sein. Spätestens bis zur Energiekrise im Winter sollte der neue Bundesumweltminister in sein neues Amt eingearbeitet sein.  Angesichts der vermuteten Restlaufzeit der aktuellen Regierung Merkel wird er wohl trotzdem keine energiepolitischen Akzente mehr setzen können.

31.05.2012 / zwischenrufer