Energiewende gewinnt an Fahrt: Neues Marktanreizprogramm (MAP) ab 01.04.2015

"Effiziente Heizsysteme mit Geld vom Staat", Förderbibel des BDH, 03-2015.

„Effiziente Heizsysteme mit Geld vom Staat“, Förderbibel des BDH, 03-2015.

In Sachen Energiewende belässt es die Bundesregierung nicht bei warmen Worten. Mit dem neuen Marktanreizprogramm (MAP), das zum 01.04.2015 in Kraft tritt, werden nicht nur die Förderzuschüsse Photovoltaikanlagen, thermische Solaranlagen,  Wärmepumpen, Biomasse-, Wind- und Wasserkraftanlagen sowie Biogasanlagen teilweise deutlich erhöht. Auch der Kreis der Antragsberechtigten wird ausgeweitet. Das Programm richtet sich nun auch dezidiert an Gewerbetreibende und Unternehmen sowie die Kommunen als Träger öffentlicher Einrichtungen, Kirchen und gemeinnützige Träger. Doch auch private und gewerbliche Hausbesitzer, die auf moderne Heizungen mit erneuerbaren Energien umstellen wollen, erhalten nun deutlich höhere Investitionszuschüsse. Weiterhin wird der Ausbau bestehender Anlagen gefördert, erstmals wird sogar deren nachträgliche Optimierung. Bei der Solarthermie wurde erstmals eine ertragsabhängige Förderung – alternativ zur Innovationsförderung – eingeführt.

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
BMWi – Aktuelle Förderübersicht Stand 01.04.2015

Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH)
Broschüre „Effiziente Heizsysteme mit Geld vom Staat“, Stand 03-2015

Fraunhofer ISE Freiburg: Fakten zur Photovoltaik in Deutschland

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Grafik aus: „Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland“ (08.01.2013) / Freiburger Frauenhofer ISE.

Zeitnah zu meinem letzten Artikel zum Strompreis, siehe „Stromrechnung: Die Hälfte für Steuern, Abgaben und Umlagen“ hat das Freiburger Fraunhofer ISE „Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland“ (08.01.2013) veröffentlicht. Erstmals findet sich hier auch eine vertrauenswürdige grafische Darstellung des „aktuellen“ Endkunden-Strompreises 2013, gegliedert nach anteiligen Kosten (siehe Artikelfoto).

Leitfaden zur Photovoltaik
Autor Harry Wirth, Bereichsleiter Photovoltaische Module, Systeme und Zuverlässigkeit beim Fraunhofer ISE in Freiburg, ist dabei ein hochinteressanter, faktenreicher, zugleich hochpolitischer „Leitfaden“ zur Photovoltaik gelungen.

Fakten und Ziele des EEG
„Derzeit wird PV-Strom in Deutschland zu höheren Kosten erzeugt als Strom aus konventionellen Kraftwerken. Als wichtige Stütze der Energiewende wird die PV-Stromproduktion deshalb durch das Instrument des EEG unterstützt. Die Mehrkosten werden auf die Verbraucherstrompreise umgelegt, so dass der Anlagenbetreiber einen wirtschaftlichen Betrieb erreichen kann und Investitionen generiert werden. Ziel des EEG ist weiterhin, die Stromgestehungskosten kontinuierlich zu reduzieren.“

Positive Langfrist-Effekte
Deutlich und detailliert gewürdigt werden die positiven Langfrist-Effekte des EEG, ua. auf Strompreisbildung und Modulpreise. „Für PV-Strom beläuft sich die Summe der Differenzkosten für die Jahre 2000 bis 2020 auf ca. 70 Mrd. Euro. Längerfristig schrumpft diese Summe gegen 0 und wird danach negativ. Damit sichert uns die PV-Umlage langfristig eine Energieversorgung zu vertretbaren Kosten, da abzusehen ist, dass wir uns fossil-nukleare Energie nicht mehr lange leisten können. Unsere Industrie braucht eine Versorgungsperspektive, ebenso die Privathaushalte.“

Keine Subvention, Zwangsabgabe!
Entschieden wehrt sich Wirth jedoch gegen die Behauptung, die PV-Stromerzeugung werde subventioniert, wo doch das EEG ausdrücklich von Umlage spreche: „Energieverbraucher zahlen eine Zwangsabgabe für die Transformation des Energiesystems.“

Preiseinfluss der Politik
Das Ausmaß der Verteuerung und vor allem die Verteilung der Kosten liege indes in der Hand der Politik: „Die Politik legt die Berechnungsgrundlage und den Verteiler für die Umlage fest, beides mit zurzeit nachteiligen Effekten für Privathaushalte.“

Lediglich die Kritik an der Energiepolitik der aktuellen CDU-FDP-Bundesregierung kommt reichlich verklausuliert daher: „Die Politik hat entschieden, energieintensive Industriebetriebe (…) weitgehend von der EEG-Umlage zu befreien und plant, diese Freistellungen in Zukunft auszuweiten. Dies erhöht die Belastung für andere Stromkunden, insbesondere die Privathaushalte, auf die knapp 30% des gesamten Stromverbrauchs entfällt.“

Preissenkende Effekte weitergeben
Auch die Energieversorger werden kritisiert: „Viele EVUs geben aber preissenkende Effekte der PV-Einspeisung bisher nicht an ihre Endkunden weiter.“

Sogar die Frage „Erzeugt PV-Installation nur Arbeitsplätze in Asien?“ wird beantwortet. Allen, die sich ernsthaft mit der Strompreis-Diskussion beschäftigen, sei der Leitfaden, auch deshalb, dringend zur eigenen Lektüre empfohlen.

>>> „Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland“ , Fraunhofer ISE Freiburg, (08.01.2013)

zwischenrufer / 21.01.2013

50 Millionen EUR Stromspeicher-Subvention angekündigt

Bundesumweltminister Altmeier lässt ankündigen: 50 Millionen Stromspeicher-Subvention

Heute meldet die Frankfurter Rundschau (FR), dass die Bundesregierung nun noch vor Ostern ein Subventionsprogramm für private Klein-Stromspeicher für Photovoltaik-Anlagen auflegen möchte. 50 Millionen EUR sind angekündigt, 2.000 EUR Förderung pro Stromspeicheranlage sind angedacht, 25.000 Anlagen könnten zunächst gefördert werden. „Wir wollen die Technologie-Entwicklung anstoßen und dem Kleinspeicher-Markt auf die Sprünge helfen“, begründete ein ungenannter Sprecher von Bundesumweltminister Peter Altmeier die Initiative gegenüber der FR. Prompt begrüßt auch Jörg Mayer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar) die nächste angekündigte Subvention für seine Branche. Wenn sich alle einig sind, wird die Richtung ja wohl stimmen, denkt der interessierte Beobachter zunächst. Das Gegenteil ist trotzdem der Fall!

Billige politische Propaganda
Was wie Umweltpolitik daherkommt, ist nichts als billige politische Propaganda: Die Initiative zu einer weiteren – nicht durchdachten- Subvention stammt aus Sachsen, genauer (ausgerechnet!) von der sächsischen FDP. Die FDP bangt bekanntlich nicht nur um den Einzug in den nächsten Bundestag – sie will auch die Photovoltaik-Förderung möglichst noch vor der Wahl noch einmal deutlich kürzen. Um bei der Diskussion um ihr „Quotenmodell nach schwedischem Vorbild“ demnächst – vor dem grün-liberalen Klientel – nicht nackig dazustehen wie der Kaiser in Hans Christian Anders Märchen, instrumentalisiert sie das Ministerium des schwachen sogenannten Umweltministers Altmeier. Wie wenig Substanz die Idee hat, sieht man schon daran, wie es lanciert wird. Nicht der Umweltminister hebt das Thema auf sein Schild, im Gegenteil: ein ungenannter Sprecher trägt sie der FR mit eine Begründung vor, mit der sich auch Subventionen für die Entwicklung neuer Toaster oder Vibratoren rechtfertigen ließen.

Strom-Speichertechnik längst nicht ausgereift
Aber auch inhaltlich ist die neue Stromspeicher-Subvention Quatsch: Derzeit ist die Strom-Speichertechnik längst nicht ausgereift. Die in diesem Jahr aus diesem Programm geförderten Kleinspeicher werden daher weder das Strom-Verteilungsproblem entschärfen, noch werden sich die Investitionskosten jemals amortisieren. Das zumindest ist der aktuelle inhaltliche Konsens in Fachkreisen.

Die Opposition wird mitspielen
Selbst die Opposition wird diese traurige Wahrheit, zumal im Wahljahr, nicht problematisieren. Schon weil man nicht als Gegner innovativer Umweltpolitik missverstanden – sondern als Vollender der Energiewende in die Regierung gewählt – werden will.

Gekniffen sind mal wieder wir Steuerbürger. In Zeiten milliardenschwerer, alternativloser Rettungsschirm-Verdichtungen, sind 50 Millionen EUR Steuergeld längst das, so scheint es, was sie für Banker immer schon waren: Peanuts. Für ein sinnloses Vorwahlgeschenk der FDP ist auch das zu viel.

zwischenrufer / 16.01.2013

Im Neubau setzt ein Drittel auf erneuerbare Energien

In reichen Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg ist die Zahl der mit erneuerbaren Energien beheizten Wohnungen deutlich stärker gestiegen, als im Rest der Republik. Quelle: Statistisches Bundesamt / LBS Research

Heizen mit erneuerbaren Energien wird in Deutschland immer beliebter, so meldet der Immobilien Newsticker aus München mit Bezug auf die LBS Research, die aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes aufbereitet hat. Danach hat sich die Zahl der mit Holz, Solaranlagen, Windernergie und Wärmepumpen beheizten Wohnungen von 347.0000 (2002) auf 1.571.000 (2010) mindestens verfünffacht.

Gas nach wie vor beliebt
Zwar machen erneuerbare Energien in der bundesweiten Gesamtschau damit zwar immer noch nur 4% aus, doch der Blick auf die Neubausituation spricht Bände: Bereits ein Drittel der Bauherren entscheidet sich mittlerweile für erneuerbare Energieträger. Lediglich Gas, das von den vergleichsweise geringen Investitionskosten in die Heizungstechnik profitiert, ist mit 53% im Neubau noch beliebter. Öl, Strom und Fernwärme werden nur noch in weniger als 10% aller Neubauten als Primärenergie eingesetzt.

Bayern und Baden-Württemberg vorne
Erstaunlich ist die regional sehr unterschiedliche Entwicklung: Im reichen Süden (Bayern und Baden-Württemberg) investieren Immobilienbesitzer deutlich stärker in erneuerbare Energien als im Norden und Osten der Republik.

Hohe Immoilienpreise, höhere Investitionen
Das hat viel mit den Immobilienpreisen insgesamt zu tun: Wo selbst ein gebrauchtes Haus kaum unter 500.000 EUR zu finden ist, wie in den reichen Ballungsräumen und deren Peripherie, sind 50.0000 EUR für erneuerbare Energietechnik eine vergleichsweise geringer Betrag. In Deutschlands Mitte und im Osten, wo eine vergleichbare Immobilie oft für weniger als die Hälfte zu haben ist, ist die Neigung, hohe Investitionskosten langfristig mit niedrigeren Energiekosten zu verrechnen, deutlich geringer.

Sachsen hat Pelletsförderung verdoppelt
Einzelne Bundesländer haben diesen Zusammenhang verstanden. Im Frühjahr hat die sächsische Landesregierung beispielsweise beschlossen, die eigentlich bundesweit einheitliche Holzpellets-Förderung für sächsische Hausbesitzer einfach zu verdoppeln. Ob solche regionalen Anreize die Marktendenzen umzukehren vermögen, wird sich zeigen.

zwischenrufer / 20.11.2012

Bundesumweltministerium forciert Solarthermie

Peter Altmeier, Bundesumweltminister

Peter Altmeier, Bundesumweltminister

Mit dem zum 15.08.2012 erneut modifizierten Marktanreizprogramm (MAP) forciert das Bundesumweltministeriums nochmals den Bau von Anlagen für Heizung, Warmwasserbereitung und zur Bereitstellung von Kälte oder Prozesswärme aus erneuerbaren Energien. Zuschussfähig sind thermische Solaranlagen, Biomasseanlagen und Wärmepumpen in 1- und 2-Familienhäusern, in Mehrfamilienhäusern sowie in gewerblichen und öffentlichen Gebäuden.

50% Förderung für industrielle Prozesswärme
Von einer Förderung von bis zu 50% der Investitionssumme profitieren vor allem Industrie- und Gewerbebetriebe mit hohem eigenem Prozesswärmebedarf, denn es werden installierte Flächen bis zu 1.000 qm auch als einmaliger Zuschuss gefördert.

Wärme für die Energiewende entscheidend
Bundesumweltminister Peter Altmaier (Foto): „Der Wärmemarkt spielt bei der Energiewende eine entscheidende Rolle. Das neue Marktanreizprogramm wird neuen Schwung in die Wärmenutzung aus erneuerbaren Energien bringen und schafft die Grundlage für mehr private Investitionen. Mit den neuen Förderkonditionen wird für Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer der Umstieg auf erneuerbare Energien bei Heizung und Warmwasser noch attraktiver.“

Zuständig für die Umsetzung der Förderung bleibt das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle). Förderrichtlinien und Anträge finden sich unter www.bafa.de.

zwischenrufer / 17.09.2012